Die weltweite Diskussion über Cannabis hat viele Länder dazu veranlasst, unterschiedliche Gesetze für den Freizeitkonsum und die medizinische Nutzung zu erlassen. Die Türkei zählt dabei zu den Staaten mit den strengsten Regelungen weltweit. Cannabis darf dort weiterhin nur für sehr begrenzte Zwecke angebaut werden. Dieser Artikel beleuchtet die türkische Cannabisgesetzgebung und erklärt die Regeln für Anbau, persönlichen Gebrauch sowie die teils sehr harten Strafen, die deutlich über das hinausgehen, was in vielen anderen Ländern üblich ist.
Cannabis für den Freizeitgebrauch: streng illegal 🚫

Der Konsum von Cannabis zu Freizeitzwecken ist in der Türkei weiterhin strikt verboten und wird mit hohen Strafen geahndet. Sowohl der Besitz als auch Anbau und Vertrieb gelten als schwere Straftaten. Für türkische Staatsbürger gelten dabei folgende Konsequenzen:
Strafen für Besitz und Vertrieb
Wenn du Cannabis für den persönlichen Gebrauch besitzt, drohen dir nach Artikel 191 des türkischen Strafgesetzbuches empfindliche Strafen.
In der Regel sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von zwei bis fünf Jahren vor, wenn Cannabis illegal zu Freizeitzwecken besessen wird.
Ersttäter haben unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, statt einer Haftstrafe an einer Drogentherapie teilzunehmen oder eine Bewährungszeit zu erhalten. Das Gericht kann dabei eine Bewährungsfrist von bis zu drei Jahren festlegen. Werden die Auflagen nicht eingehalten oder das vorgeschriebene Behandlungsprogramm abgebrochen, kann die Strafe jederzeit in eine Haftstrafe umgewandelt werden.
Bei wiederholten Cannabisdelikten verschärfen sich die Strafen deutlich. In solchen Fällen ist eine Bewährung in der Regel ausgeschlossen.
Auch ausländische Staatsangehörige werden bei Cannabisbesitz genauso behandelt wie Einheimische. Für Touristen ist daher besondere Vorsicht geboten, da ein Gesetzesverstoß erhebliche Konsequenzen für den Aufenthalt und die Weiterreise haben kann.
Ausnahmen für Ersttäter
Eine besondere Regelung gilt für Personen, die sich freiwillig melden, bevor sie von den Behörden entdeckt werden. Wer eigenständig eine Behandlung beantragt, bevor ein offizielles Gerichtsverfahren eingeleitet wird, kann unter Umständen einer Strafverfolgung entgehen. Medizinisches Fachpersonal ist dabei nicht verpflichtet, Patienten zu melden, wenn diese ihren Konsum offenlegen, um Hilfe zu erhalten.
Medizinisches Cannabis: begrenzt und streng reglementiert 🌿💊
Da Cannabis für den Freizeitgebrauch weiterhin verboten ist, ist auch die medizinische Nutzung in der Türkei stark eingeschränkt und nur in bestimmten Formen erlaubt.
Sublinguale Medikamente (z. B. Sativex)
Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2016 erlaubt die türkische Regierung den Einsatz bestimmter sublingualer Cannabinoid-Medikamente wie Sativex. Diese dürfen von medizinischen Fachkräften für Patienten mit schweren Erkrankungen wie chronischen Schmerzen, Epilepsie oder Multipler Sklerose verschrieben werden.
Um medizinisches Cannabis legal zu erhalten, brauchst du ein sogenanntes rotes Rezept, das ausschließlich von zugelassenen Ärzten ausgestellt wird. Diese Verschreibung erfolgt unter strenger Kontrolle und ist nur bei schweren oder lebensbedrohlichen Erkrankungen möglich.
In der Türkei sind medizinische Cannabisbehandlungen ausschließlich in nicht-pflanzlicher, pharmazeutischer Form erlaubt. Dazu zählen Sativex und bestimmte CBDÖle. Die Verwendung von Cannabisblüten oder anderen pflanzlichen Formen bleibt weiterhin strikt verboten.
Regulierung und Verfügbarkeit
Auch wenn medizinisches Cannabis grundsätzlich zugelassen ist, bleibt der Zugang stark eingeschränkt. Die Türkei produziert keine eigenen cannabisbasierten Arzneimittel, alle Präparate werden importiert. Ärzte greifen nur dann auf diese Option zurück, wenn andere Therapien keinen Erfolg gezeigt haben.
Ausnahmen für bestimmte Krankheiten
Nach türkischem Recht kommt eine Cannabistherapie nur dann infrage, wenn herkömmliche Behandlungen wirkungslos bleiben. Der gesamte Genehmigungsprozess wird engmaschig medizinisch überwacht, bevor Patienten mit chronischen Schmerzen, Epilepsie oder während einer Chemotherapie Zugang erhalten.
Industrieller Hanfanbau: begrenzt, aber legal 🌱

Der Anbau von Industriehanf ist in der Türkei unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Landwirte müssen dabei alle gesetzlichen Vorgaben strikt einhalten.
Regulierung des Hanfanbaus
Der Hanfanbau ist nur in ausgewählten Provinzen gestattet und dient ausschließlich wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Zwecken, etwa für Saatgut, Fasern oder Forschung.
Bevor du Hanf anbauen darfst, benötigst du eine offizielle Lizenz des Ministeriums für Land- und Forstwirtschaft. Diese Genehmigungen werden nur erteilt, wenn sämtliche gesetzlichen Anforderungen erfüllt sind.
Der THC-Gehalt des Industriehanfs darf 0,3 % nicht überschreiten. Dadurch besitzt der Hanf keine psychoaktive Wirkung und eignet sich für die Herstellung von Textilien, Baustoffen oder biologisch abbaubaren Kunststoffen.
Vernichtung von Pflanzenresten
Nach jeder Ernte sind Landwirte verpflichtet, sämtliche Pflanzenreste vollständig zu vernichten. Diese Maßnahme soll sicherstellen, dass ausschließlich genehmigte, nicht psychoaktive Bestandteile weiterverwendet werden.
Cannabisgesetze in der Türkei im Vergleich zur Region 🌍
Im regionalen Vergleich verfolgt die Türkei eine besonders konservative Cannabis-Politik. Während einige Nachbarländer ihre Gesetze gelockert oder bestimmte Nutzungen legalisiert haben, hält die Türkei an strengen Regelungen fest.
Libanon
Der Libanon legalisierte 2020 den medizinischen und industriellen Cannabisanbau. Der Freizeitkonsum bleibt zwar illegal, wird jedoch weniger streng verfolgt als in der Türkei.
Griechenland
In Griechenland wird geringer Besitz teilweise mit Geldstrafen statt Haft geahndet. Medizinisches Cannabis ist dort seit 2017 legal.
Iran
Sehr strenge Gesetze mit hohen Strafen für Besitz und Anbau, auch wenn Haschisch gesellschaftlich verbreitet ist.
Israel
Israel gilt als Vorreiter in der medizinischen Cannabisforschung und erlaubt medizinische Nutzung seit den 1990er Jahren.
Ägypten
Offiziell verboten, jedoch ist der Konsum von Haschisch weit verbreitet und die Durchsetzung der Gesetze uneinheitlich.
Die konservative Haltung zu Cannabis in der Türkei 🚫
In der Türkei wird der Freizeitkonsum von Cannabis weiterhin hart bestraft, während medizinische Anwendungen nur stark eingeschränkt möglich sind. Industriehanf ist erlaubt, doch jede Verbindung zu Freizeit-Cannabis wird strikt verfolgt.
Auch wenn es in den letzten Jahren kleine Fortschritte im medizinischen Bereich gab, deutet aktuell wenig darauf hin, dass die Türkei ihre Haltung in naher Zukunft lockern wird. Selbst geringe Mengen Cannabis können zu langen Haftstrafen führen.
Wenn du in der Türkei lebst oder das Land besuchst, solltest du dich regelmäßig über die aktuelle Gesetzeslage informieren und alle Vorschriften strikt einhalten.
Sicherheit geht immer vor – Vorsicht ist bei einem Aufenthalt in der Türkei unerlässlich.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
1. Ist Cannabis in der Türkei entkriminalisiert?
Nein. Besitz, Anbau und Vertrieb werden streng verfolgt. Auch kleine Mengen können zu schweren Strafen führen.
2. Darf man CBD-Produkte in die Türkei einführen?
LegalCBD-Produkte sind international verbreitet, unterliegen in der Türkei jedoch strengen Kontrollen. Produkte dürfen nur sehr geringe THC-Werte enthalten (meist maximal 0,2 %).
3. Gibt es in der Türkei Abgabestellen für medizinisches Cannabis?
Nein. Medizinisches Cannabis ist ausschließlich über verschreibungspflichtige Medikamente erhältlich, nicht als Pflanze oder Blüte.
4. Können ausländische Besucher medizinisches Cannabis verschrieben bekommen?
Nein. Rezepte werden ausschließlich an türkische Staatsbürger ausgestellt und unterliegen strenger behördlicher Kontrolle.















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